Rezension | Hendrik Lambertus – Nicodemus Faust und das Haus der 100 Schlüssel

[Rezensionsexemplar] Wer wollte als Kind nicht schon einmal durch eine alte, verstaubte Villa streifen und die vielen Räume voller ungewöhnlicher Dinge erkunden? Im August erschien das neue Kinderbuch „Nicodemus Faust und das Haus der 100 Schlüssel“ von Hendrik Lambertus im Verlag Ueberreuter und entführt uns in eine ganz besondere Fantasywelt voller Gestaltwandler, verborgener Schlüssel und aufregender Abenteuer.


Ein Junge, eine alte Villa und ein kauziger Onkel: Nicodemus Faust soll die Ferien bei Onkel Erasmus verbringen, während seine Eltern eine wichtige Forschungsreise unternehmen. Und wie es das Schicksal so will, ist das Haus des Onkels alles andere als normal. Nicodemus lernt den Jungen Tomek kennen und erkundet gemeinsam mit ihm die vielen Räume der riesigen Villa Drosselmeyer, bis sie auf eine gruselige Kiste stoßen, in der sich etwas verbirgt, dass die Welt der beiden völlig auf den Kopf stellen wird.

Der erste Eindruck wird vor allem durch die schöne Coverillustration von Alexandra Helm und die schwarz-weiß-Bebilderung im Buch bestimmt. Ich finde sie grandios und sehr gelungen – besonders für das junge Lesealter ab 9 Jahre sind die Illustrationen passend. Jedes Kapitel ist optisch durch eine ganzseitige Illustration abgegrenzt, die Rahmen und Bilder geben einen Vorgeschmack auf den Inhalt des nun folgenden Abschnitts und verraten dabei doch nicht zu viel. Blättert man aber nach dem Beenden des Kapitels noch einmal zurück, fallen sofort weitere Details ins Auge, denen man vorher keine Bedeutung beigemessen hatte. Dass sie in schwarz-weiß sind stört keineswegs – so lassen sich die Illustrationen als Denkanstoß für die eigene Fantasie nutzen und können in Gedanken mit eigenen Farben gemalt werden.


Nicht nur die Illustrationen, sondern auch die Geschichte und das Setting des Buches sind wunderschön und absolut altersgerecht. Bei meinem zuletzt gelesenen Kinderbuch war ich geschockt, wie ungeeignet es für Kinder war. Das ist hier jedoch nicht der Fall. Als Hauptfiguren funktionieren Nicodemus, Tomke und auch Mandragora gut – und das obwohl die junge Lady wohl eine der eher gruseligen Erscheinungen in der Geschichte ist! Besonders gefallen hat mir auch die kleine „Führung“ über das Drosselmeyer-Anwesen, die wir durch die Augen von Nicodemus und Tomek erleben. Das regt einerseits den Entdecker-Geist an und gibt andererseits einen guten Überblick über den Handlungsort.

Von Gestaltwandlern und anderen Wesen
Im weiteren Verlauf der Geschichte wird es dann rasanter und es kommen in jedem Kapitel neue Geheimnisse, Gegenstände und Wesen dazu – allerdings in einem Maß, in dem es auch für Kinder noch nachvollziehbar und fassbar bleibt. Es werden stetig neue Fragen aufgeworfen und einige wenige auch beantwortet. Die großen Fragen jedoch müssen teilweise bis zum Schluss des Buches auf ihre Beantwortung warten oder bleiben offen, was auf einen oder mehrere Folgebände hoffen lässt. Ohne zu viel über den Inhalt verraten zu wollen, sei an dieser Stelle gesagt, dass vor allem der „zweite Schauplatz“ neben der Villa Drosselmeyer großes Potenzial für die Fortführung der Erzählung bietet. Allein der Weg dorthin wurde auf eine so wunderbar kreative Weise gelöst, die Lust auf weitere Reisen der Hauptfiguren macht.


„Nicodemus Faust und das Haus der 100 Schlüssel“ ist ein Buch sowohl für Kinder als auch Erwachsene, denn die Geschichte ist fantasievoll und bedient dabei keine Klischees. Sie bietet genau die richtige Mischung aus Phantastik, Grusel und Spannung. Definitiv eine Leseempfehlung!


Literaturverweis:
Lambertus, Hendrik (2018): Nicodemus Faust und das Haus der 100 Schlüssel. Berlin: Ueberreuter

Buchdaten:
Einband: gebunden
Seitenzahl: 224
Altersempfehlung: ab 9 Jahre
Erscheinungsdatum: 17.08.2018
Sprache: Deutsch
Verlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-764-15147-8

 

Ich habe dieses Exemplar im Rahmen einer Leserunde vom Autor Hendrik Lambertus als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank dafür! Die Buchdaten sind der Verlagshomepage entnommen.

Weiterführende Informationen:
Zur Homepage von Hendrik Lambertus: http://hendrik-lambertus.de/
Zur Homepage der Illustratorin Alexandra Helm: https://www.alexandrahelm.de/


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