Rezension | Lenny Löwenstern – Die Sternenvogelreisen

[Rezensionsexemplar] Einmal im Leben ein eigenes Raumschiff besitzen und durch die Weiten des Alls reisen, Raumhafen-Leiter sein und den Verkehr zwischen den Galaxien steuern oder vielleicht mit Alexander Gerst sonntags einen Kaffee auf der ISS trinken. Wer wünscht sich nicht manchmal ein paar unmögliche Dinge? Der „außerirdische“ Vogel Imi hat ähnlich ambitionierte Träume und ist doch meilenweit von deren Erfüllung entfernt. In „Die Sternenvogelreisen“ von Lenny Löwenstern begleiten wir besagten Imi auf seiner abenteuerlichen Reise.


Ein Vogel allein im All? Kann das gut gehen? Auf der Suche nach Lebensunterhalt wird der arme Imi wieder und wieder ausgenutzt, herumgeschubst und durch die halbe Galaxis geschickt. Doch der kleine Racker weiß sich zu wehren und nimmt sein Schicksal kurzum selbst in die Hand bzw. unter seine Fittiche. Welche Abenteuer er wohl erleben wird? Und ob sich sein großer Traum vom eigenen Raumschiff am Ende erfüllt?

Märchenhaft-poetisch bis ins kleinste Detail
Man merkt, dass Lenny Löwenstern Sprache liebt. Das fällt schon bei der detaillierten Beschreibung von Imis Tätigkeit beim Säubern von Raumschiffhüllen jedoch spätestens bei der Namensgebung der Orte und Charaktere auf. Er spielt mit den Worten und Wendungen, verzaubert, verwirrt und lässt Bilder aus den Seiten entstehen, von denen man dachte, sie nie denken zu können! Die treffendste Bezeichnung für den sprachlichen Stil des Romans ist wohl märchenhaft-poetisch gepaart mit technisch-wissenschaftlichen Begriffen. Was wiederum auch gut den Inhalt der Geschichte um Imi und seine „Sternenvogelreise“ widerspiegelt.

Denn das Sternenvogel-Universum ist unserer Welt (und „unserem“ Weltraum) gleichzeitig in vielen Dingen ähnlich und dann wieder weit entfernt von allem, was man sich vorzustellen vermag. So verrichtet der jugendliche Vogel beispielsweise ganz banale Tätigkeiten wie „Putzen“ in einer atemberaubenden, neuartigen Sci-Fi-Kulisse. An anderer Stelle hingegen sind die Handlung und die Charaktere fremdartig und ungewohnt, dafür aber die Umgebung unglaublich trist und normal. Von Kapitel zu Kapitel springen wir von Job zu Job und wechseln zwischen Planeten, Raumschiffen, Weltallhäfen und galaktischen Hoheitsgebieten. Das World Building und die Figurentwicklung sind demnach äußerst komplex, denn allein aufgrund der vielen Schauplätze und der schieren Masse an Wesen, die uns begegnen, gibt es viel zu erzählen – und zu erklären.


Imitschilei allein im All
Hauptperson bzw. -vogel der Erzählung ist Imi (oder Imitschilei, wie sein vollständiger Name lautet). Im Verlauf der Handlung begegnet er Freunden und Feinden, Helfern und Widersachern – die allerdings eines gemein haben: ihre ausgefallenen Namen. Auf seiner Homepage zu den Sternenvogelreisen hat Lenny Löwenstern der Namensgebung sogar einen ganzen Artikel gewidmet. Sie sind frei erfunden oder haben ihren Ursprung bei alten Göttern oder seltenen Sprachen. Imis Name ist in erster Linie eine Art wohlklingendes Gezwitscher und Ausdruck seiner vermenschlichten Vogelnatur. Denn Imi als „Person“ ist weder ganz Mensch noch ganz Vogel, sondern irgendetwas dazwischen.

Sein Charakter hingegen ist jugendlich, abenteuerlustig und gewillt seine Träume zu verwirklichen. Und auch wenn es anfangs so wirkt, als sei keine Entwicklung oder ein Spannungsbogen zu erwarten und man begleite den armen Vogel lediglich dabei, wie er von einem schlecht bezahlten Job in den nächsten schlittert, wird man nach einigen Kapiteln eines besseren belehrt. Die Geschichte braucht aber definitiv ihre Zeit, bis sie sich vollends entfaltet hat. Doch dann ist die Reise sowohl inhaltlich als auch sprachlich absolut lesenswert.


Für mich wollte der Roman an einigen Stellen leider zu viel: zu viel Handlung, zu viele Charaktere und zu viele Schauplätze auf zu wenigen Seiten. Anders als bei einigen Geschichten, die auch gut und gerne 100 Seiten weniger vertragen hätten, täten hier 100-150 mehr dem Werk gut und gäben Imis Reise den nötigen Raum zur Entfaltung. Wer ein leicht lesbares, weil dünnes Sci-Fi-Heftchen (212 Seiten) erwartet, sollte sich besser anderweitig umschauen. „Die Sternenvogelreisen“ ist ein poetisches Science-Fiction-Märchen, das sehr speziell, dafür aber auch liebenswürdig und besonders ist. Und dabei sicher trotz der Ecken und Kanten einen zweiten oder dritten Blick wert.

Da es vor allem Genre-Fans gefallen dürfte, gebe ich dem Buch 3 Leseeulen mit einer starken Tendenz zur vierten (die es sich vielleicht beim zweiten Lesen noch ergattern könnte).



Literaturverweis:
Löwenstern, Lenny (2018): Die Sternenvogelreisen. Selfpublisher

Band 2 ist bereits geschrieben und soll noch Ende 2018/Anfang 2019 erscheinen. Die Bände 3 und 4 sind ebenfalls fest eingeplant.

Buchdaten:
Einband: Taschenbuch
Seitenzahl: 212
Erscheinungsdatum: 01.08.2018
Sprache: Deutsch
Verlag: Books on Demand
ISBN: 978-3-7528-4268-5


Ich habe dieses Exemplar vom Autor Lenny Löwenstern als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank dafür!

Weiterführende Informationen:
Zu den Wortlisten von Lenny Löwenstern: https://sternenvogelreisen.de/category/wortlisten/
Zu den Namen im Sternenvogel-Universum: https://sternenvogelreisen.de/namen-im-sternenvogeluniversum/


© geek’s Antiques by Lilli
lilli (at) geeksantiques.de
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Kommentare:

  1. Huhu Lilli,

    Dankeschön für deine ausführliche Rezension, die ich - wie könnte es anders sein - mit Herzklopfen und größtem Interesse gelesen habe. Es war übrigens die Erste in einem Buchblog, die ich bekomme habe.
    Da ich unter diesem Namen zum ersten Mal etwas veröffentlicht habe, wollte ich es besonders gut machen und dachte, ich packe alles rein, was ich habe. Ich wollte zeigen, was ich drauf habe. Es kann also gut sein, dass ich es übertrieben habe. Leider blöd, wenn es die Leser oder Rezensentinnen merken ;-)

    Aber so ist das eben. Teil 2 kommt, sobald er aus dem Lektorat zurück ist, was hoffentlich bald passiert. Imi wird dann erwachsener agieren und auch nicht mehr allein sein. Aushalten muss er aber trotzdem und wie gehabt eine ganze Menge ... Aber der Spaß kommt nicht zu kurz.

    Toll, dass du dich für die Geschichte interessiert hast!

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    1. Hallo Lenny,

      es hat wirklich Spaß gemacht, mit Imi durch die Galaxis zu reisen! Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte. Und auch sprachlich ist es wirklich ein toller Roman. Da hätte das Buch für mich gerne 100-150 Seiten mehr haben können. Übertrieben würde ich das also nicht nennen. Aber wo sich ein Frank Schätzing auch mal 300 Seiten sparen könnte, darf vielleicht ein Lenny Löwenstern auf ein paar mehr Seiten zeigen, was er drauf hat! Denn das hat er ;-)

      Auf den zweiten Teil freue ich mich schon, den möchte ich nämlich auch gerne lesen. Imi wächst einem einfach so schnell ans Herz...

      Alles Liebe
      Lilli

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  2. Leider klappt das Kommentieren hier nur mit meinem uralt Googlekonto. Habe nur das. Und keine andere Möglichkeit entdeckt.

    Lenny Löwenstern.

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    1. Ich habe nochmal an den Einstellungen gebastelt, jetzt müsste es auch ohne Google-Konto klappen! Danke für den Hinweis.

      Alles Liebe
      Lilli

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