Rezension | Marie Brennan – Die Reise der Basilisk

[Rezensionsexemplar] Was würdet ihr tun, um euch auf eine zweijährige Forschungsreise vorzubereiten, auf der ihr mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit mit Drachen und ihren Artverwandten zu tun haben werdet? Bedenkt, dass für die Zeit der Reise das Königliche Forschungsschiff Basilisk, ein imposanter Zweimaster mit quadratischen Segeln und einem später zusätzlich hinzugefügten Besanmast, euer Zuhause sein wird. Und auf einem Schiff gibt es weder für Mensch noch Proviant oder schweres  Expeditionsgerät besonders viel Platz. Lady Isabella Trent, ihres Namens Drachenkundlerin und Koryphäe auf dem Gebiet der Seeschlangenforschung, stand zu Beginn ihrer Reise vor ebenjenem Problem.


Willkommen an Bord der Basilisk
Lady Trent nimmt uns in ihrem nunmehr dritten Expeditionsbericht mit auf ihre zweijährige Forschungsreise an Bord der „Basilisk“. Gemeinsam mit ihrem Sohn, dessen Gouvernante und ihrem Forscherkollegen Tom begibt sie sich auf eine lange Reise, um die Seeschlangen der bekannten Welt in ihren natürlichen Lebensräumen zu erforschen und ihr Verhalten in freier Wildbahn zu studieren. Nach intensiver Vorbereitung, dem Durchforsten von Karten und Augenzeugenberichten dürfen nur wenig Gepäck, das notwendigste Handwerkszeug, diverse Notiz- und Tagebücher sowie die relevanteste und leider recht dürftige Forschungsliteratur zur Drachenkunde mit an Bord. Schon auf ihren ersten Reisen sah sich Isabella mit Vorurteilen ob ihrer Weiblichkeit konfrontiert und obwohl sie heute als Pionierin in der Drachenforschung gilt, mussten erst Konventionen aller Art über den Haufen geworfen werden, um die historischen Entdeckungen überhaupt möglich zu machen. So auch auf ihrer Reise mit der „Basilisk“.

Es handelt sich hier um den dritten Band einer mehrteiligen Reihe, dennoch ist es nicht zwingend notwendig, die vorhergehenden Reiseberichte gelesen zu haben. Zwar wird an einigen Stellen rückblickend Bezug auf frühere Ereignisse genommen, die Kenntnis derer ist für das Verständnis der aktuellen Handlung aber nicht von Belang. Allen aber, die „Die Naturgeschichte der Drachen“ und „Der Wendekreis der Schlangen“ bereits gelesen haben, sei gesagt: schon auf den ersten Seiten fühlt es sich an, wie nach Hause kommen.


Die Welt der Drachen, Wyvern und Seeschlangen

Die Erzählung spielt, wie auch schon die beiden Vorgänger, in einer fiktiven fantastischen Welt mit eigener Zeitrechnung, die vielleicht am ehesten mit dem viktorianischen England zu vergleichen ist. Die Welt besteht aus verschiedenen Regionen, unter anderem Scirland, aus dem Isabella selbst stammt, Dajin und Otholé, sowie kleinen Inselstaaten. Wir begleiten Isabella und Tom, ebenfalls ein Scirländer, bei ihren Forschungen, machen atemberaubende Entdeckungen in den entlegensten Gebieten der Welt und sehen uns mit der fremden Kultur einiger Inselbewohner konfrontiert. Bei der
Orientierung in der uns noch fremden Welt hilft eine Karte, die zu Beginn des Buches zu finden ist. Besonders die Sagen und Legenden, die auf den Inseln im Zerklüfteten Meer kursieren, sind eine große Stütze der Forschung Isabellas und liefern am Ende einen wichtigen Beitrag zur Naturgeschichte und der archäologischen Erforschung der Inselstaaten und früherer Kulturen. Mehr möchte ich aber von der Abenteuerreise nicht vorwegnehmen.

Wie auch die ersten Bände ist „Die Reise der Basilisk“ im Stile einer persönlichen Biografie und somit aus der Sicht von Lady Isabella Trent verfasst. Wir erfahren also auch nur das, was sie uns wissen lassen möchte. Der Stil ist flüssig, angenehm zu lesen und entgegen einiger Klischees im Bereich der „Drachenfantasy“ auch eher ruhig. Wer hier feuerspeiende Monster und tobende Kämpfe auf einem riesigen Schlachtfeld erwartet, liegt falsch. Trotz aller „Wissenschaftlichkeit“ bleibt es dennoch eine spannende Geschichte, die uns vor allem das Wesen der Seeschlangen, aber auch der Besatzung der Basilisk näher bringt. Dass die Erzählung eine Zeitspanne von beinahe zwei Jahren umfasst, fällt dabei kaum ins Gewicht, denn die einzelnen Episoden und Stationen der Reise sind so mitreißend beschrieben, dass das Zeitgefühl schnell flöten geht.

Aber was genau macht dieses Buch nun so besonders, so magisch? Was fesselt an einem simplen „Expeditionsbericht“ so sehr, dass man ihn kaum aus der Hand legen kann? Für mich war es die Tatsache, dass sich die Welt, die Marie Brennan uns zeigt, eigentlich kaum von der unseren unterscheidet. Die fiktive Geschichte der Lady Isabella Trent könnte ebenso gut zum selben Literaturkanon wie die realen Geschichten von Thor Heyerdahl oder Charles Darwin gehören. Alles erscheint uns normal. Eben bis auf die Existenz von Drachen. Das Buch gaukelt uns eine „Historizität“ vor und ist dabei in Wirklichkeit nur eines: ein perfekter Fantasy-Roman! 


Die Memoiren-Reihe von Lady Trent wird in (bisher angekündigten) zwei Bänden fortgesetzt und ich kann es kaum erwarten, diese in den Händen zu halten!

Literaturverweis:
Brennan, Marie (2018): Die Reise der Basilisk. Lady Trents Memoiren 3. Ludwigsburg: Cross Cult

Buchdaten:
Einband: flexibler Einband
Seitenzahl: 330
Erscheinungsdatum: 18.07.2018
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Andrea Blendl
Originaltitel: Voyage of the Basilisk
Verlag: Cross Cult
ISBN: 978-3-959816-60-1

Ich habe dieses Exemplar von Cross Cult als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank dafür! Die Buchdaten sind der Verlagshomepage entnommen.


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