Rezept & Rezension | Cara Nicoletti – Yummy Books! In 50 Rezepten durch die Weltliteratur

[Rezensionsexemplar] Essen und Bücher – das gehört einfach zusammen. Egal ob in der Kombination Kaffee, Kuchen & ein guter alter Klassiker im Café oder Pizza & ein spannender Thriller auf dem Sofa. Die beiden schönsten Dinge der Welt lassen sich gut verbinden. Aber es geht auch anders: wie oft liest man hungrig weiter, weil der Protagonist gerade ein wunderbares Mahl verschlungen hat und man leider auf die Schnelle keinen Pfannkuchen mit Ahornsirup parat hat? Der Literaturliebhaberin, Köchin und Bloggerin Cara Nicoletti ging es ähnlich, weshalb sie sich in ihrem ersten Werk „Yummy Books!“ kreuz und quer durch die Weltliteratur kocht.


Die Metzgerstochter Cara Nicoletti aus Brooklyn war schon als Kind ein echter Bücherwurm und verschlang neben vielen Leckereien auch allerlei Literarisches. Als Literaturstudentin begann sie ihre Leidenschaft fürs Essen und die Bücher zu verbinden, indem sie literarische Kochabende mit Freunden veranstaltete und Gerichte aus ihren Lieblingsbücher kochte. Aus der illustren Runde entstand später Nicolettis Blog „Yummy Books“ (yummy-books.com/), auf dem sie seitdem über die enge Verbindung zwischen Essen und Lesen philosophiert.

In ihrem ersten Buch „Yummy Books! In 50 Rezepten durch die Weltliteratur“ greift sie das Konzept ihres Blogs auf und präsentiert in drei Abschnitten Rezepte passend zu den literarischen Werken, die sie in ihrer Kindheit und Jugend, im Studium und im Erwachsenenalter geprägt haben. Wer jetzt ein reines Kochbuch erwartet, befindet sich allerdings auf dem Holzweg. Denn obwohl es tatsächlich 50 Rezepte sind, die zum Nachkochen einladen, geht es doch vorrangig um die Bücher und Nicolettis Geschichten dazu.

(K)ein Kochbuch
So ist das Buch auch nicht wie ein klassisches Kochbuch in Vor-, Haupt- und Nachspeisen unterteilt,
sondern die Aufteilung richtet sich nach den jeweiligen Lebensabschnitten, in denen die Werke Nicoletti begleitet haben. So sehen wir, dass die Kindheit vor allem von Kinderbüchern wie „Unsere kleine Farm“, „Pippi Langstrumpf“ und „Anne auf Green Gables“ geprägt war, in Jugendalter und Studienzeiten vor allem die großen Klassiker in Form von „Herr der Fliegen“, „Moby Dick“ und „Stolz und Vorurteil“ eine Rolle spielten und dass die erwachsene Cara sich sowohl für Epen wie Homers „Odyssee“ als auch für zeitgenössische Werke wie „Gone Girl“ begeistern konnte. Der Schreibstil ist locker-sympathisch und Nicolettis Begeisterung für die Geschichten und ihre Figuren überträgt sich schnell auf den Leser. Und so ist es eben kein reines Kochbuch, sondern auch ein Lesebuch voller persönlicher Anekdoten der Autorin.


Jedes neue Rezept wird mit einer mehrseitigen Erzählung eingeleitet, in der mal ernst, mal humorvoll über das jeweilige literarische Vorbild geplaudert wird, um dann zum eigentlichen kulinarischen Teil überzuleiten. Die Rezepte und Anweisungen sind leicht verständlich und an wenigen Stellen auch mit Bildern versehen.

Einziger Kritikpunkt ist für mich, dass uns als Europäern viele der Titel nicht geläufig sind oder die Bücher zumindest – anders als in den Vereinigten Staaten – nicht zum klassischen Literaturkanon gezählt werden. Zwar kennen wir alle die oben genannten Dauerbrenner, aber bei Büchern wie „Die Verschwörung der Idioten“ wird es dann schon wieder eng mit der Bekanntheit unter der durchschnittlichen westeuropäischen Leserschaft. Zudem sind einige Rezepte für unseren Gaumen doch recht gewöhnungsbedürftig, die Zutaten dementsprechend exotisch und nicht immer leicht zu beschaffen oder sehr teuer. In diesen Fällen fehlt dann auch eindeutig die Bebilderung, um bei gänzlich unbekannten Gerichten zumindest eine grobe Vorstellung vom gewünschten Endergebnis zu erhalten.


Buchweizenpfannkuchen aus Sleepy Hollow
Zum Einstieg habe ich mich daher an einem einfachen Rezept versucht und Buchweizenpfannkuchen gebacken, zu denen Nicoletti sich durch die „Sage von Sleepy Hollow“  hat inspirieren lassen. [Am Ende dieses Artikels gibt es passend dazu ein Rezept für einen nussig-schokoladigen Aufstrich!] Das Ergebnis konnte sich nach dem obligatorischen ersten verbrannten Pfannkuchen sehen lassen und war wirklich lecker.


Schön finde ich, dass es im Inhaltsverzeichnis gleich einen guten Überblick über die Werke und Rezepte gibt und man am Ende noch einmal eine Liste mit allen erwähnten Titeln findet, falls die eine oder andere Geschichte das Leserherz erobern konnte. Kurzum: Wer ein reines Kochbuch mit vielen Bildern erwartet, ist bei diesem Titel leider an der falschen Adresse. Cara Nicolettis literarisches Rezeptwerk ist dennoch inspirierend, neuartig und vor allem für experimentierfreudige Köche und Leser geeignet.

Deshalb gibt es für die literarisch-kulinarische Reise 4 von 5 Leseeulen



Nussig-schokoladiger Aufstrich

…der nicht nur zu Buchweizenpfannkuchen gut schmeckt!

Für ein kleines Glas voll benötigt ihr:

1 große Tasse voller gerösteter Nüsse (Haselnüsse, Walnüsse, Macadamia, Cashew, Pekanüsse etc.)
100 ml Tasse Sahne oder pflanzliche Sahne (Cashew, Kokos etc.)
½ Tasse Backkakao
2 EL Honig oder Ahornsirup (je nach Geschmack)

Zubereitung:

Einfach alles in einen Mixer geben und so lange mixen, bis die Masse die gewünschte Konsistenz hat. Das kann mit Stückchen, sämig oder fein der Fall sein – ganz wie ihr es am liebsten mögt.

Die Masse wird anschließend gleich verzehrt oder kommt zur Aufbewahrung in ein Glasgefäß und ist darin knapp 1 Woche im Kühlschrank haltbar.


Literaturverweis:
Nicoletti, Cara (2017): Yummy Books! In 50 Rezepten durch die Weltliteratur. Berlin: Suhrkamp Verlag

Buchdaten:
Einband: Steifbroschur
Seitenzahl: 332
Erscheinungsdatum: 13.06.2017
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Voracious. A Hungry Reader Cooks Her Way Through Great Books
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-46776-3


Weiterführende Infos:
Mehr zum Thema Essen und Literatur findet ihr auf dem Blog von Cara Nicoletti: http://yummy-books.com/

Ich habe dieses Exemplar vom Suhrkamp Verlag als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank dafür! Die Buchdaten sind der Verlagshomepage entnommen.


© geek’s Antiques by Lilli
lilli (at) geeksantiques.de
geeksantiques.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen